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Wie sollte es mit der Landwirtschaft weitergehen? Diese Frage stellte sich jedes Jahr, vor allen Dingen im Jahr 2001. Der Verkauf von Ländereien an die WAS und die Gemeinde Siek war abgeschlossen, nun lief die Zeit für die Reinvestition in die Landwirtschaft, insgesamt 4 Jahre hatte ich Zeit. Welche Möglichkeiten hatte ich?

Auf der alten Hofstelle mitten im Ort bin ich aufgewachsen, habe dort bis zu dem Zeitpunkt mein ganzes Leben verbracht. Mit den Tieren bin ich groß geworden, ohne sie konnte ich mir ein Leben nicht vorstellen. Außerdem war bis jetzt die Viehhaltung die wirtschaftliche Voraussetzung für die Erhaltung des Betriebes. Das ganze Jahr über hatte ich mir Pläne gemacht für die Umgestaltung des alten Wirtschaftsgebäudes. Für die Hofstelle wurde früher von der Gemeinde Siek ein Bebauungsplan angelegt, und nach diesem Plan durfte ich den Stall zur Hofseite hin um 10 Meter erweitern. Die Pläne einer Aussiedlung waren begraben, und nach wie vor hatte ich die Auffassung, von dieser Hofstelle bekommt mich keiner lebend runter.

Die Politik in den vergangenen Jahren war alles andere als günstig für mich. Zum 1. April 2000 wurde die sogenannte Milchbörse eingeführt, die Milchquote konnte nicht mehr frei gehandelt sondern musste über die Börse veräußert werden. Der Beginn der BSE-Krise am 24. November 2000 hatte die Möglichkeit zerstört vermehrt auf Masttiere zu setzen, dieser Markt war völlig zusammengebrochen. Und mit wem konnte ich zusammenarbeiten? Eine Möglichkeit wäre gewesen, ein anderer hätte meine Milchkühe gemolken, und im Gegenzug hätte ich für denjenigen die Jungviehaufzucht betrieben. Aber es war niemand da, und so musste ich alles in eigener Regie bewerkstelligen.

Ich hatte mir alles so schön ausgemalt. Die 10 Meter, die ich anbauen durfte, wollte ich am Stall anbauen. Die Milchkühe hätten im alten Stall ihre Liegeboxen bekommen, sie hätten sich frei bewegen können, in der einen Ecke wäre der Melkstand, in einer anderen Ecke die Abkalbebuchten hingekommen. Im Anbau wäre der befahrbare Futtergang sowie Platz für das Jungvieh gewesen. Mein großes Problem war, wer würde mir bei den Tieren helfen wenn meine Eltern nicht mehr konnten? Meine Eltern waren schon mehrere Jahre Rentner und haben ihren Lebensabend auch redlich verdient. Was würden die Nachbarn dazu sagen, würden die Tiere das ganze Jahr im Stall gehalten werden? Das konnte mich weniger interessieren, schließlich waren wir schon wesentlich länger als die anderen hier am Platz.

Wie konnte ich sonst noch investieren? Am liebsten hätte ich wieder Land gekauft, aber in Siek und Umgebung war ja nichts zu holen. Die einzige Möglichkeit, die mir anscheinend noch blieb, war der Bau von Häusern. Die Ausweisung der Fläche am Ohlenstücken lief bereits, hier habe ich 2 Doppelhäuser hinstellen wollen. Aber meine Eltern waren nicht so damit einverstanden, als Landwirt hätte ich mein Geld in Land zu investieren. So verlief das Jahr 2001 und der Anfang des Jahres 2002 ohne konkretes Ergebnis. Ein Jahr scheinbar nutzlos verstrichen.

Im Januar 2002 fand ich im Bauernblatt eine Anzeige, Land zwischen Mölln und Ratzeburg zu verkaufen, Chiffre sowieso. Hinschreiben kannst du ja mal, dachte ich, mal sehen was passiert. Und am 7. Februar kam tatsächlich ein Telefonanruf, ein Herr Brügmann aus Kühsen, wann wir uns einmal treffen könnten. Und 2 Tage später, am 9. Februar, waren meine Eltern und ich zum ersten Mal in Kühsen.

Wie oft bin ich früher im Nachbarort Nusse gewesen, sonntagabends zur Disko in Siemers Gasthof, habe immer den Wegweiser „Kühsen 3 km“ gelesen, aber ich war noch nie dort. Mit der Angabe „erster Betrieb auf der rechten Seite, gleich nach dem Sägewerk“ konnte ich mich leicht zurechtfinden.

Der erste Augenblick entscheidet, heißt es oft, und so war es auch hier. Die Hofstelle sauber und ordentlich, der erste Pluspunkt. Ich klingele an der Haustür, die erste Begegnung mit der Familie Brügmann, Claus und Birgit sowie Claus sein Vater Walter. Wir setzen uns in der Wohnstube an den Tisch und unterhalten uns prima, als ob wir uns schon viele Jahre kennen würden. Dann müssen wir nach draußen, die angebotenen Ländereien besichtigen. Alles top in Ordnung, damit hatte ich nicht gerechnet. Irgendwann kommt das Gespräch auf die Hofstelle, die sollte auch mit veräußert werden. Eigentlich wollte ich nur Land kaufen, was sollte ich mit einer 2. Hofstelle? Die Wirtschaftsgebäude besichtigt, frühere Schweinställe umgebaut zu Maschinenhalle und Getreidelager, alles gut erhalten. Zu den angebotenen Flächen kommen noch über 50 ha Pachtland, die auch noch mit übertragen werden könnten. Das Wohnhaus besichtigt, die Küche gefällt meiner Mutter auf Anhieb, hier würde sie am liebsten sofort einziehen. Draußen tobt ein großer Sturm, drinnen im Wohnhaus bekommt man nichts davon mit, so eine gute Isolation bei einem alten Wohnhaus habe ich noch nicht erlebt. Als wir wieder nach Hause fahren steht unser Entschluss fest, diese Bauernstelle muss gekauft werden.

Das Schicksal hat es diesmal gut mit mir gemeint. Der Steuerberater, der ein paar Jahre vorher meine Schwestern und mich bei den Abfindungen beraten hat, ist jetzt auch wieder mein Berater. Und wie es der Zufall so will, Herr Brügmann und ich, wir sind beide bei der gleichen Buchführung, ein Lauenburger und ein Stormarner bei der Segeberger Buchführung. Am 18. Februar die erste Verhandlung, erneut in Kühsen. Auf Seiten von Herrn Brügmann sitzen sein Berater Herr Kleingarn und Herr Storm von der Segeberger Buchführungsstelle. Angebot und Vorstellungen ausgetauscht, die Differenzen betragen weniger als 10 Prozent. Auf jeden Fall hat mein Gebot die Gebote der Mitbewerber übertroffen, Herr Brügmann will vorerst nur noch mit mir verhandeln. Am 2. März bin ich alleine mit der Familie Brügmann zusammengekommen, wir haben nun die Absicht uns in der goldenen Mitte zu einigen. Am 8. März das nächste Treffen mit allen Beratern bei uns in Siek, die Sache ist bis auf ein paar Kleinigkeiten perfekt. Gerade einen Monat haben wir verhandelt, und schon sind wir uns mündlich einig geworden.

Der Kaufpreis überstieg aber meine finanziellen Möglichkeiten, und so musste ich zusehen wie ich zu mehr Geld kommen konnte. Für das kleine Baugebiet am Ohlenstücken fehlte nur noch die Genehmigung vom Land Schleswig-Holstein, dann konnte hier gebaut werden. Außerdem war im Bebauungsplan für die alte Hofstelle festgeschrieben, an der „Neuen Straße“ konnten noch 3 Häuser gebaut werden. Dafür musste aber der Schuppen abgerissen werden. Die Maschinen wollte ich zum Teil in Kühsen und zum Teil im Stallgebäude in Siek unterstellen. Milchviehhaltung und über 100 ha Ackerland zusätzlich, das konnte ich nicht mehr schaffen. Also wollte ich für die Milchkühe einen Partnerbetrieb finden, die Jungviehaufzucht sollte in Siek bleiben, dafür benötigte ich nicht mehr viel Platz. Ganz ohne Tiere wollte ich meine Zukunft nicht gestalten. Mit den verfügbaren Bauplätzen, die ich zum Verkauf anbieten wollte, konnte ich meinen finanziellen Verpflichtungen nachkommen. Die ganze Hofstelle zu verkaufen und aus Siek wegziehen, das hatte ich eigentlich nicht geplant.

Jetzt standen wieder Gespräche mit den Vertretern der Gemeinde Siek, mit Herrn Rönner und Herrn Teetzmann, an, inwieweit ich mein Vorhaben realisieren konnte. Die Erschließung der Bauplätze könne problemlos erfolgen, alle erforderlichen Leitungen lägen bereits parat. Herr Teetzmann in seiner Eigenschaft als Gemeindevertreter trug mir sein Anliegen vor. Er bat mich darüber nachzudenken die ganze Hofstelle zu verkaufen. Im B-Plan war bei unserem Nachbarn eine Überwegung vom Hoisdorfer Weg zur Neuen Straße eingetragen, aber unsere Nachbarn wollten nicht verkaufen, und bei einem Verkauf meiner Hofstelle könnte man diese Überwegung auf unsere Seite verlegen. Herr Teetzmann besitzt ein Vermessungsbüro, und er wolle seine Kontakte walten lassen, um mögliche Kaufinteressenten zu finden. Eine Entscheidung brauchte ich noch nicht zu fällen, ich nahm die Erkenntnis mit nach Hause meine Kaufabsichten konnten realisiert werden.

Eigentlich ging mir alles viel zu schnell. Gestern noch Pläne den Stall zu erweitern, heute den ganzen Hof verkaufen, mitsamt dem Elternhaus, mein ganzes bisheriges Leben aufgeben. Mein Gott, was hast du mit mir vor? Andererseits – was hielt mich noch in der Heimat? Und was hatte ich hier zu erwarten? Nicht viel. Meine Eltern hatten schon vorher geäußert mit nach Kühsen ziehen zu wollen, also war ich nicht alleine. Die gesamte Viehhaltung aufzugeben war der nächste logische Schritt. Kühsen liegt nur eine halbe Autostunde von Siek entfernt, meine alten Kontakte konnte ich also weiter pflegen. Die Entscheidung kam nicht von heute auf morgen, aber nach und nach lief alles in diese Richtung.

Ein paar Tage nach Ostern das erste Treffen mit Herrn Teetzmann und einem möglichen Investor, Herrn Asmussen von der DEIN-HAUS GmbH in Glinde. Die Zeit drängte, einige Makler hatten Kunde von meinen Verkaufsabsichten bekommen, und die Erlebnisse mit der einen Maklerin wollte ich nicht noch einmal durchmachen. An einem Donnerstag hatte sie sich das Gebiet am Ohlenstücken angeguckt, ich sollte mich wieder melden wenn die Genehmigung vom Land Schleswig-Holstein vorläge, was aber noch mehrere Wochen dauern würde. Und was macht die Frau? Am Wochenende hatte sie, ohne dass ich es wusste, eine Anzeige in der Zeitung, „Bauplätze in Siek zu verkaufen“, mehrere Interessenten haben sich gleich gemeldet, und in der nächsten Woche stand das Telefon bald nicht mehr still, meine Mutter war mit den Nerven fertig. Der Maklerin habe ich eine gehörige Abfuhr erteilt. Mit Maklern will ich nichts zu tun haben.

Herr Teetzmann hatte Auszüge aus dem Bebauungsplan für die Hofstelle besorgt. Herr Asmussen machte auch gleich einen sympathischen Eindruck, er war ja auch kein Makler. Der B-Plan war nicht günstig für unsere Absichten, die Grünfläche in der Mitte des Hofes und das Wohnhaus mussten erhalten bleiben, für den Abriss des Stallgebäudes sollte nur ein kleines mickriges Häuschen gebaut werden dürfen. Herr Asmussen erklärte, er wolle trotzdem gerne die ganze Hofstelle erwerben, da sich Bauplätze in Nähe von Stallungen nicht gut verkaufen lassen, der Abstand wäre hier zu gering. Hätte ich meine Gebäude behalten, hätte ich noch mehrere landwirtschaftliche Gebäude errichten können, und dieses Risiko sei für jeden Investor zu groß. Da die Gemeinde Land für ihren Fußweg beanspruchte musste sowieso der B-Plan geändert werden, und auf solche Projekte sei seine Firma spezialisiert. Eine Vereinbarung haben wir erzielt, er wollte Pläne für eine mögliche Bebauung des Hofes unterbreiten, und dann wollten wir weiterreden.

Für mich war die Zeit im April 2002 auch nicht einfach. Zum einen ging die Arbeit auf dem Feld wieder los, was mich zeitlich in Anspruch nahm, zum anderen hatte ich Pech mit meinen Tieren. Meine Hündin wurde schwer krank, und meine beste Kuh kam eines Tages auch nicht mehr auf die Beine. Die Tiere aufgeben zu müssen fiel mir schon schwer genug, aber so schnell und so plötzlich auf diese Weise meine beiden besten Tiere zu verlieren, das war sehr hart. So eine hohe Tierarztrechnung wie in diesem Monat habe ich noch nie gehabt, doch vergeblich. Die Kuh musste ich von ihren Leiden erlösen lassen, und meine Hündin ist am 14. Mai, dem Tag der Vertragsunterzeichnung mit dem Hof in Kühsen, friedlich eingeschlafen. Das alles so schnell gehen würde habe ich nicht für möglich gehalten.

Mitte Mai war also die Vertragsunterzeichnung. Die Betriebsübergabe sollte am 1. Oktober 2003 stattfinden, eine lange Zeit zwar die wir aber unbedingt brauchten. Die eine Sache war nun abgehakt, um die andere Angelegenheit kümmerte sich die Firma DEIN-HAUS. Als sich gute Erfolgsaussichten der Pläne abzeichneten begannen wir die Verkaufsgespräche.
Am 21. November wurden die Verträge über die Hoffläche und über die kleine Fläche am Ohlenstücken unterschrieben. 9 Tage vor meinem 40. Geburtstag hatte ich somit mein Elternhaus verkauft, es gab kein Zurück mehr.

Nun ging es ans Ausräumen und Sachen packen. Für den Abriss der Scheune musste ich mich kümmern, der Verkauf der Maschinen die ich nicht mehr brauchte wurde im Winter erledigt. Auch im Haushalt ging es ans Ausräumen um die Zeit im Winter zu nutzen.

Im März 2003 fing ich an meine Tiere zu verkaufen. Wegen der Milchquote wollte ich bis in den April hinein melken um Zeit für den Verkauf der Quote zu gewinnen. Und meine Tiere musste ich alleine verkaufen, kein Tierhändler hat mir dabei geholfen. Am 16. April 2003, ein Tag vor Gründonnerstag, habe ich zum letzten Mal Milch abgeliefert, am Abend haben mein Vater und ich die letzten Milchkühe in einen Milchviehstall in Meilsdorf abgeliefert, die Milchviehhaltung war Vergangenheit. Im Stall verblieben nur noch ein paar Jungtiere die im Herbst kalben sollten, und ein paar ältere Tiere die für den Schlachter bestimmt waren. Zwei Tage vor Christi Himmelfahrt ging auch das letzte Tier aus dem Stall. Ein einziges Tier habe ich noch mit nach Kühsen nehmen können: eine ältere Katze.

In der Zwischenzeit hatten wir auch die alte Scheune abgerissen. Gegen Ende März war alles ausgeräumt. Dann habe ich mit der Motorsäge die Bretter von der Außenwand alle herausgesägt, nur das Holzgerüst des Schuppens blieb noch stehen. Mitte Mai war es dann soweit, ein Baggerfahrer hatte mit seinem Gerät die Scheune an der einen Ecke angefasst, in eine bestimmte Richtung gedrückt, ein gewaltiger Krach und die Scheune lag auf der Seite. Nun konnten wir alles nach und nach entsorgen, bis Ende Mai waren nur noch die Grundmauern vorhanden. Für die Entsorgung haben wir einen kleinen Kipper befüllt und alles zum Wirtschaftsverband in Stapelfeld gefahren, bestimmt 20 Mal bin ich dort gewesen. Auch für die anderen Entsorgungen wie z.B. die alten Siloreifen kann ich Nachweise erbringen, die Reifen hat Borowski und Hopp aus Bad Oldesloe mit dem Container abgeholt. Eine „wilde“ Entsorgung hat es bei mir nicht gegeben.

Pfingstsonntag 2003 war es dann soweit, mein Vater und ich haben die ersten Sachen nach Kühsen gefahren. Claus hatte für uns die kleine Maschinenhalle geräumt, schließlich musste er auch ans Räumen denken. Und Birgit hat diesen Augenblick per Fotoapparat festgehalten.

Wer jetzt denkt, keine Kühe mehr, kein Grünland mehr, da hat man viel mehr Freizeit, wer so denkt der denkt verkehrt. Manchmal dachte ich, ich bin bei der GEMA beschäftigt, geh´ mal hierhin, geh´ mal dorthin, an alle Dinge die ich da zu erledigen hatte kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Das Wichtigste für mich war der Abschluss des Pachtvertrages mit Harry Heins in Bergrade. Außerdem habe ich mit Claus Brügmann noch einen Geschäftsvertrag wegen seiner Pachtfläche in Wentorf abgeschlossen, so dass meine neue zu bewirtschaftende Fläche im Herbst dieses Jahres ca. 150 ha betrug. Neue Maschinen musste ich kaufen, alte in Zahlung geben, so viel wie noch nie in meinem Leben habe ich gehandelt.

Ein Ereignis, wenn auch nicht so wichtiges, möchte ich hier nicht verheimlichen. Der Stall war leer und sollte in der nächsten Zeit abgerissen werden, das war für die Feuerwehr ein willkommener Anlass noch einmal eine große Feuerwehrübung abzuhalten. Einige Jugendliche vom ASB Stormarn stellten sich als „Verletzte“ zur Verfügung, das Gebäude wurde mit Rauchpatronen innen vollgeräuchert, so dass es wie ein wirklicher Brand aussah. So eine groß angelegte Übung hatte Siek vorher noch nicht gehabt, auch die Zeitung berichtete über den Einsatz. Auch wenn ich nicht mehr Mitglied der Feuerwehr war, so war das Verhältnis zueinander immer freundschaftlich.

Auch die Ernte 2003 war anders als sonst. Den eigenen Mähdrescher hatte ich im Winter verkauft, nun musste Claus Brügmann für mich dreschen. Ein Tag brauchte er für die Gerste, einen für den Weizen, und einen für Raps und Hafer, an drei Tagen war alles erledigt. Wo sonst Hauptarbeitszeit war hatte ich viel Freizeit. Die neue Aussaat dauerte auch nicht viel länger: in Siek bestellte ich Anfang September alles mit Raps, die neuen Flächen musste Claus Brügmann bestellt übergeben, so war die Hauptarbeit eines Ackerbauern für mich schnell erledigt.

Einfügen muss ich hier noch den Abriss des Stallgebäudes Ende August bis Anfang September. Die Räumung des Gebäudes hatten wir bis dahin vollzogen, die Maschinen mussten nun draußen stehen, alle anderen für uns wichtigen Sachen hatten wir in unseren großen Kippern verstaut. Das Zwischengebäude musste erhalten bleiben, deswegen wurde zuerst die Stelle zwischen dem Zwischenbau und dem Stall herausgetrennt. An den nächsten Tagen erledigte ein gewaltiger Bagger die Abrissarbeiten. Die verschiedenen Bestandteile des Stalles wurden getrennt erfasst und in Containern abgefahren, die Arbeiter arbeiteten sehr sauber. Meine Aufgabe war es, die Jauchekuhle zu leeren, und die Feuerwehr half mir den letzten Schlick durch Bespritzen mit Wasser zu verdünnen damit ich es abfahren konnte. Nach 8 Tagen war alles vorbei, die gesamte Hofstelle soweit geräumt dass nun mit der Wohnbebauung durch den Investor begonnen werden konnte.

Leider ging nun nicht alles so wie geplant über die Bühne. Familie Brügmann musste auf deren neuen Hofstelle in Neuendorf bei Gadebusch ein neues Wohnhaus bauen, der Bau verzögerte sich, deswegen konnten sie in Kühsen nicht wie geplant räumen. Am 16. Oktober wurde der Wirtschaftsteil übergeben. Und am 17. Oktober stellten Ärzte bei meinem Vater einen Herzinfarkt fest, nun waren andere Dinge auf einmal wichtig. Wie gut dass ich nun keine Tiere mehr zu versorgen hatte, sonst hätte ich mich jetzt festgearbeitet.

Unser Räumungstermin in Siek war der 1. März 2004, zwar noch eine lange Zeit, aber es mussten viele Sachen von Siek nach Kühsen transportiert werden, die Lagerung erfolgte erstmal im Wirtschaftsgebäude. Jeden Tag sind wir hin- und hergefahren, an vielen Tagen zweimal, die Zeit musste ausgenutzt werden. Und am Abend des 5. Dezember war es endlich soweit, Familie Brügmann hatte alles geräumt und mir die Schlüssel für das Wohnhaus übergeben.

Nun ging die Arbeit erst richtig los. Die Gebäude sind uns im guten Zustand übergeben worden, aber wir mussten uns noch nach unseren Vorstellungen einrichten. Als erstes wurde die alte Holztreppe, die den unteren und oberen Flur verband, entfernt, auf der anderen Seite des Flures eine neue und breitere Steintreppe aufgebaut. In der oberen Etage, wo meine Räumlichkeiten liegen, war die Aufteilung unpassend, so mussten einige Wände entfernt und neu aufgebaut werden. Besonders um die Entfernung des einen Schornsteins, der nicht mehr in Betrieb war, gab es einige Aufregung, aber nach getaner Arbeit waren alle froh dass wir es so gemacht haben. Der Stress in dieser Zeit war die Führung von 2 Haushalten, einiges wurde hier gebraucht, einiges dort, und wenn etwas fehlte dann konnte man es bestimmt am anderen Ort finden. Wohnen und Übernachten in Siek, Arbeiten in Kühsen, so hieß die Übergangszeit.

Am 17. Februar 2004 war es dann soweit, zum ersten Mal haben wir in Kühsen übernachtet. Das Haus in Siek war soweit geräumt, bis auf ein paar Kleinigkeiten die wir am nächsten Tag holten. Am 18. Februar übergab ich die Hausschlüssel an Herrn Asmussen, nachdem er die Abnahme gemacht hatte. Das Kapitel mit meiner Hofstelle in Siek war damit geschlossen.

Jetzt wo ich diese Zeilen schreibe, ein Jahr nach der Schlüsselübergabe, was denkt und fühlt man? Siek ist meine Heimat und wird immer meine Heimat bleiben. Aber was hätte ich denn anders machen sollen? Das Wohnhaus ist nun umgebaut für 3 Wohneinheiten, eine Wohnung soll gleich vermietet worden sein, in eine andere Wohnung soll nun eine Frau mit 6 Kindern untergekommen sein. Auf der Hofstelle wurden 5 Doppelhäuser aufgebaut und alle Hälften verkauft. Jetzt werden noch 2 Doppelhäuser gebaut, eine Hälfte ist schon verkauft. Und die kleinen Grundstücke am Ohlenstücken waren sofort verkauft und ein halbes Jahr später bebaut. Wo früher meine Eltern und ich, also 1 Familie, gelebt haben, wohnen nun 21 Familien. Der Großkonzern Lidl will auf meiner Fläche am Industriegebiet Arbeitsplätze schaffen für 150 Personen, außerdem soll in Meilsdorf ein neuer Golfplatz entstehen. Der Wohnwert in Siek ist durch meine Entscheidungen erheblich gesteigert worden, ein „Nein“ von mir hätte alles verhindert.

Die Neider hatte ich leider auch auf meiner Seite. Aber wie lautet noch ein bekanntes Sprichwort? „Neid muss man sich erarbeiten, Mitleid bekommt man geschenkt“. Wie wahr, wie wahr.