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Erzählungen:

Der "Schweinekrieg" von Siek

Die neue Umgehungsstraße von Siek

Von Siek nach Kühsen

Meine Zeit in der Sieker Feuerwehr

Siek, meine Heimat

Meine Zeit im Sieker Gesangverein

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Die Raute im Herzen

"Siek ist kein Bauerndorf mehr!"

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Wenn man trotzdem lacht

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„Siek ist kein Bauerndorf mehr!“
Wie ging es nun weiter nachdem meine Eltern und ich Siek verlassen hatten? In Kühsen hatten wir keine Probleme Anschluss zu finden. Kühsen ist ein kleines Dorf mit ca. 400 Einwohnern, hat mehrere landwirtschaftliche und mehrere kleine handwerkliche Betriebe, ist also ländlich geprägt. Mein Vater ist von der Hoisdorfer in die Kühsener Feuerwehrkapelle gewechselt, alles kein Problem für ihn. Meine Mutter hat ihren Haushalt und ihren Garten, das reicht für sie. Und ich? In Kühsen gibt es mehrere HSV-Fans, wir gucken ab und zu gemeinsam Fußball. Ab und zu ist hier auch mal was los, so wie Grillabend oder Spielabend, aber hier in Kühsen ist oftmals trockene Luft, deswegen herrscht großer Durst, und abends werden die Straßenlampen rechtzeitig ausgeschaltet – wer da nicht rechtzeitig nach Hause kommt ist selber Schuld.

Wie ging es nun in Siek weiter? Schließlich hatte ich zu der Zeit (Februar 2004) noch Ländereien in Siek die ich von Kühsen aus mitbewirtschaften musste. Die Fahrtzeit von Kühsen nach Siek beträgt mit Trecker und Geräten etwa eine Stunde, diese Zeit musste zusätzlich zur Arbeitszeit mit eingeplant werden. Die Felder waren im Herbst 2003 mit Raps bestellt oder mit Gras stillgelegt worden, so dass sich im Frühjahr 2004 der Zeitaufwand in Grenzen hielt.

Wie schon im Kapitel „Die neue Umgehungsstraße von Siek“ beschrieben kam im April 2004 die Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (kurz: WAS) auf mich zu und wollte eine Fläche von mir erwerben. Wir haben ein Verkaufsangebot abgeschlossen für eine bestimmte Zeit, die WAS konnte innerhalb dieser Zeit die Annahme erklären, oder auch nicht. Diese Fläche hatte ich sowieso für Stilllegung vorgesehen, zum einen lag sie etwas außerhalb meiner anderen Flächen in Siek, zum anderen hatte ich von der EG aus eine Stilllegungsverpflichtung zu erfüllen. Zuerst sollte die Großbäckerei Kamps dort ansiedeln, aber sie entschied sich für Lüdersdorf. Dann hatte der Lebensmittelkonzern Lidl Interesse ein Zentrallager aufzubauen. Wie in Siek üblich war der Krach nun vorprogrammiert.

Im Leben ist es immer so, das eine was ich will, das andere was ich muss. Die Situation war nun einmal nicht einfach für die Verantwortlichen des neuen Gewerbegebietes. Die Sieker hatten jahrzehntelang eine Umgehungsstraße gefordert, und der Bau dieser Straße hatte nur gelohnt weil das Industriegebiet so enorm vergrößert werden konnte, sozusagen sollte das neue Gewerbegebiet die Umgehungsstraße finanzieren. Und nun lagen viele Flächen im neuen Gewerbegebiet brach, es drohten Millionenverluste. Die Verantwortlichen in Kommunen, Kreis und Land haben sich deswegen Gedanken gemacht wie die Vermarktung von Gewerbeflächen verbessert werden kann. Und sie kamen nun einmal zu dem Ergebnis zu einer erneuten Erweiterung wo ein Großbetrieb angesiedelt werden konnte. Sollte ich dieses verhindern? Und warum? Für mich war klar, wenn ich einen guten Preis für eine Fläche in Siek erzielen kann verkaufe ich auch, schließlich kann ich in meiner neuen Umgebung Flächen wiederkaufen.

Zum Glück wohnte ich nun in Kühsen, und zum Glück bekam ich von diesem Trubel auch nicht viel mit. Meine Kenntnisse beziehe ich hauptsächlich aus Zeitungsartikeln die ich freundlicherweise zugesteckt bekommen habe. Im Oktober 2004 hat es wegen der Ansiedlung Lidl in der „Traube“ in Siek eine Versammlung gegeben. Der nachfolgende Zeitungsartikel, erschienen letztes Wochenende im Oktober 2004 in der „Ahrensburger Zeitung“, berichtet über die Versammlung.

Hier sind auch die Worte gefallen die meiner Erzählung die Überschrift gegeben haben: „Wir sind kein Bauerndorf mehr!“ Was soll man dazu sagen? Irgendeiner hat mal gesagt „Die Geister die ich rief werde ich nicht mehr los“. Und so ist es auch hier. Die Menschen wollen auf das Land ziehen um Natur zu erleben, passen sich aber nicht der Natur an sondern wollen „mit städtebaulichen Mitteln den dörflichen Charakter erhalten“ – ein Widerspruch in sich – und verwandeln nach und nach das Dorf wieder in ein Stadtteil. Früher störte der Hahn der auf dem Misthaufen krähte, heute ist es der Lastwagen der seiner Arbeit nachgeht. Die Bauern sind aus ihrem Dorf vertrieben worden, glücklicher sind die Menschen in Siek deswegen nicht geworden. Dirk Radtke, der sich im Bild in Positur gestellt hat, kenne ich nicht – dabei war ich im Oktober 2004 erst ein paar Monate nicht mehr in Siek wohnhaft.

Dieser Artikel ist am 10. November 2004 in der „Ahrensburger Zeitung“ erschienen. Der nächste Artikel ist Mitte April 2005 in der „Ahrensburger Zeitung“ erschienen.

Der nächste Artikel stammt vom Oktober 2005, wo er erschienen ist weiß ich nicht mehr.

Toll, dachte ich, alles geregelt. Denkste! Die Gemeinde Großhansdorf hat weiterhin Widerstand geleistet, man fragt sich immer nur warum. Großhansdorf liegt auf der einen Seite der Autobahn, und Siek auf der anderen, wie kann Großhansdorf von der Ansiedlung Lidl betroffen sein? Die Verkehrs- und Lärmbelästigung ist untersucht, erforderliche Maßnahmen festgesetzt worden, aus dem Bauvorhaben soll keine Verschlechterung der Situation zu erwarten sein. Hier entsteht der Eindruck, der „große Bruder“ (Großhansdorf) gönnt dem „kleinen Bruder“ (Siek) die Butter auf dem Brot nicht. Für mich bedeutete dieses Verhalten eine erneute Verhandlung mit der WAS. Die Frist zum Kauf meiner Fläche lief ab, und die WAS wollte keine Zusage erteilen bevor nicht alles geregelt ist, neben den vielen brachliegenden Gewerbegrundstücken in Siek konnte sie sich keine Fehlspekulation erlauben. Also wurde die Frist zum Kauf meiner Koppel um mehrere Wochen verlängert. Und wie es so ist, kaum hatte ich den Vertrag unterschrieben, schon lag ein Angebot für einen Flächenkauf im Nachbarort bei mir auf den Tisch, geradezu maßgeschneidert für mich. Soll ich nun meinerseits spekulieren? Es ist entsetzlich, aber mir blieb nichts anderes übrig. Eigentlich war die Fristverlängerung nur wegen der Probleme der WAS mit der Gemeinde Großhansdorf notwendig geworden, und diese Probleme sollten eigentlich behoben werden können. Aber was bedeutet schon „eigentlich“? Auf jeden Fall keine Sicherheit. Und sollte das Geschäft mit der WAS platzen musste ich mir andere Wege suchen den Kauf zu finanzieren, schließlich besaß ich noch genügend andere Ländereien in Siek. Die Zeit Anfang des Jahres 2006 war nicht leicht für mich, da ich auf zweierlei Wegen planen musste. Außerdem hatte ich noch andere Sachen vor wie den Umbau der Getreidelagerhalle. Je näher der Tag X rückte, die Frist der WAS zum Kauf meiner Fläche, je nervöser wurde ich.

Am letzten Tag habe ich es nicht mehr ausgehalten und habe selbst bei der WAS in Bad Oldesloe angerufen. Dort erklärte Herr Müller mir, alle erforderlichen Genehmigungen lägen nun vor, sie nähmen das Kaufangebot nun an. Mir fiel natürlich ein Stein vom Herzen. Der Verkäufer der Fläche im Nachbarort saß mir auch im Nacken, er wollte ebenfalls Geld sehen. Alles ging nun sehr schnell, kaum eine Stunde hatte ich das Geld auf dem Konto hatte ich es schon wieder weitergegeben. Plan B brauchte ich nun zum Glück nicht mehr. So konnte ich mich nun um die anderen Grundstücksangelegenheiten kümmern.

Aber ich will in dieser Erzählung nicht über mich, sondern über Siek schreiben. Was hat der Verkauf meiner Fläche an die WAS nun gebracht? Eine Frage die schwierig zu beantworten ist. Vom Verkauf der Fläche im Februar 2006 bis zum heutigen Tag (Mai 2008) ist nicht viel passiert, ein bisschen Boden ist geschoben worden, aber von einem Bau und Errichtung eines Zentrallagers ist weit und breit nichts zu sehen. Es geht mich ja nichts an, aber in einer Zeitspanne von 27 Monaten hätte doch etwas passieren müssen, schließlich sollte das Gebäude über 30.000 qm Fläche beanspruchen und gut 14 Meter hoch werden. Anstatt Lidl haben sich nun mehrere weitere Unternehmen im Gewerbegebiet angesiedelt, mit Wesemeyer ist eine angesehene Ahrensburger Firma nach Siek gewechselt.

Was ist noch weiter passiert? Der letzte Bauabschnitt der Umgehungsstraße wurde 2006 fertig gestellt, die Abfahrt der Autobahn Richtung Lübeck hat eine Rechtsabbiegerspur erhalten, die Fußgänger und Fahrradfahrer haben einen neuen Weg erhalten, so dass Verkehrsbehinderungen wie in früheren Zeiten vorbei sein sollten. Die Hauptstraße in Siek ist nun in Höhe der Autobahn eine Sackgasse geworden, der Durchgangsverkehr aus Siek ist zum großen Teil verbannt. Wo ich früher am Ohlenstücken meine Tiere lang getrieben habe befindet sich nun eine Absperrung, quasi eine Abtrennung „Hier Siek – da Bauern“. Es herrschen nun einmal neue Herren in Siek. Der Golfplatz in Meilsdorf ist nun in Betrieb. Und in Siek gibt es nun zwei Hotels, das Restaurant „Dubrovnik“ ist zu „Hotel Miranda“ umgebaut, und die ehemalige „Alte Schule“ ist zusammen mit der Bürgerbegegnungsstätte ebenfalls zu einem Hotelbetrieb umgebaut worden. Für die Bürgerbegegnungsstätte hat die Gemeinde Siek nun ein „Haus der Vereine“ gebaut. Siek ist eben kein Bauerndorf mehr.